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Registrierungsdatum: 7. Juni 2016

Beiträge: 999

1

Donnerstag, 11. Oktober 2018, 00:54

Blutige Trikots

Jetzt gibt es also ein eigenes Unterforum nur für OT. So, so. Na denn, dann stifte ich mal einen Thread für einen Fußball-Krimi, der von Euch Usern als Fortsetzungsroman geschrieben werden soll oder kann.

Die Regeln sind ganz einfach: Jeder, der mag (jede, die mag, liebe Sanne oder Schoggi), schreibt einen kurzen Abschnitt, der an die vorigen inhaltlich in irgendeiner Weise anschließen soll. Was Ihr schreibt, ist vollkommen Euch überlassen. Sex, Crime, Splatter, Gore oder sogar so etwas Perverses wie Steuererklärung oder Abstiegskampf, alles kann.

Ihr könnt Figuren hinzuerfinden (einen vertrottelten Inspektor, eine verlassene Geliebte, einen eifersüchtigen Ersatzspieler, einen geistesgestörten Trainer) oder auch rausschreiben, ihr könnt sterben lassen, wen Ihr wollt, oder auferstehen (bitte allenfalls aufpassen, daß es nicht ins Zombie-Genre abdriftet, Zombies sind scheiße).

Und auch wie Ihr schreibt, ist schnuppe. Haut auf die Pauke. Es kann ruhig absurd werden, macht es Eurem Nachfolger so schwer wie möglich. ;) Denn der muß möglichst viele Fäden von denen aufnehmen, die vor ihm schrieben.

Ich beginne, und wenn dann jemand Lust hat: Nur zu!



Als Fred in die Kabine kam, war keiner da. Er ärgerte sich darüber nicht, denn Fred war gerade 19 Jahre alt geworden und es seit einiger Zeit gewohnt, sich ohne fremde Hilfe umzukleiden. Nichtmal das Dienstmädchen durfte ihm noch helfen.

Fred, das war mit vollem Namen Frédéric Patrick Kroiß, der neue Rechtsaußen, den der Manager für kleines Geld aus dem Fußball-Internat in Bayern hatte antanzen lassen. Fred war seit je ein untypischer Fußballspieler gewesen. Der Vater war Anwalt, allerdings nicht irgendeiner, Freds Vater war der Staranwalt im Großraum München. Freds Mutter hatte sogar adeliges Blut, zumindest wenn man ihre Behauptung, sie sei eine Groß-Groß-Nichte der Zarentochter Anastasia, nicht in das Reich der Legenden verweisen wollte. Was niemand in der Familie tat, denn das bedeutete Geschichtsunterricht zu bekommen.

Fred verheimlichte gern seine Herkunft, was ihm selten gelang, denn Fred sah man ganz einfach seine sorglose Jugend schon von weitem an. Er lächelte so gut wie nie, wie reiche Kinder es zu tun pflegen, denen man mit beinahe nichts mehr eine Freude machen kann.

Auch jetzt, in der Kabine, verzog er keine Miene in seinem bartlosen Jungengesicht. Fred sah jünger aus als er tatsächlich war. Und er war kleiner als die allermeisten Mitspieler, es sei denn, es ging gegen Mannschaften aus Südeuropa. Als Rechtsaußen wurde er verpflichtet, doch ihm war klar, daß er die Rolle kaum jemals würde ausfüllen müssen. Die Kölner Mannschaft, zu der er gestossen war, spielte nicht mit offensiven Flügelspielern. Und Fred war auf vielen Positionen ausgebildet worden, denn im modernen Fußball, so seine Trainer im Internat, gebe es bald kaum noch eine traditionelle Zuordnung. Die Zukunft läge in der Multitaskingfähigkeit. Und das kam Fred sehr entgegen.

Denn Fred war Linkshänder und, wie es bei Linkshändern normal ist, auch Linksfüßer. Doch schon seit früher Kindheit wurde er nicht nur zum Schreiben mit der rechten Hand, sondern auch zum Schießen, Dribbeln oder Passen mit dem rechten Fuß angehalten. Dies aber ohne den Gebrauch der angestammten starken linken Körperseite zu vernachlässigen oder gar zu unterdrücken. Fred war eine Art menschlicher Allradantrieb und als solcher sollte er in Köln nun wirken.

Noch immer stand er da, im Schummerlicht der Notbeleuchtung. Halb sieben war es, und weil die Sommerzeit vorbei war, auch schon wieder dunkel. Was nun? Er konnte schlecht einfach wieder gehen. Fred rief, sehr leise, denn er benahm sich immer so unauffällig wie nur möglich. Außer auf dem Spielfeld. Sein paradoxes leises Rufen hatte den gewünschten Erfolg: Niemand antwortete. Fred setzte sich auf eine Bank vor einen Spind.

Wo Anna jetzt wohl gerade war? Ihr Stipendium für Brüssel hatte er verflucht, als er noch in Bayern war, doch jetzt, in Köln, kam es ihm sehr gelegen. Ach ja, Anna würde in seiner Situation sicher das ganze Trainingsgelände zusammenschreien, bis sie jemanden gefunden hatte, der ihr sagen konnte, wo die Mannschaft war. Oder wo überhaupt mal irgendjemand war. Fred aber saß nur da und starrte in den langen Gang hinaus, den er von seinem Platz hervorragend einsehen konnte.

Da flackerte das Licht. Blitzartig durchzuckte Fred die Frage, ob er sich den Weg durch die ihm fremden Katakomben so gut eingeprägt hatte, daß er im Dunkeln wieder hinausfände? Er nestelte nervös nach seinem Handy. Scheiße, das war auf dem Beifahrersitz seines BMW geblieben. Er suchte mit raschem Blick die ganze Kabine ab. Nichts sah so aus wie eine Taschenlampe oder ein vergessenes Mobilphon, dessen Licht man hätte nutzen können.

Doch etwas fiel ihm auf, ganz hinten in der Ecke war etwas hinter die Bank gestopft. Etwas Weißes. Er sprang hoch, um nachzusehen, was es war. Und Fred traute seinen Augen nicht.
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  • Dieser Beitrag wurde bereits 4 mal editiert, zuletzt von »Graf Wetter vom Strahl« (11. Oktober 2018, 01:59)

Sanne

Profi

Registrierungsdatum: 16. Juni 2015

Beiträge: 1 005

2

Sonntag, 14. Oktober 2018, 14:27

Und weiter geht`s:

Ihm gefror das Blut in den Adern, als er sah, was er da in den Händen hielt: ein stark, blutverschmiertes Trikot
mit der Rückennummer 10. Das erste was ihm einfiel war, dass er um die Legende der Nummer 10, vor
seinem Wechsel nach Köln, gelesen hatte. Soweit er sich erinnern konnte, wurde diese Spielernummer seit
dem Wechsel von Podolski, den er als Kind schon verehrt hatte, in Köln nicht mehr vergeben.

Plötzlich ging das Licht an. Erschrocken fuhr er herum, aber keiner hatte die Umkleide betreten.
Das blutverschmierte Trikot immer noch in den Händen haltend, ging er langsam auf die Tür zu.
Dabei bemerkte er, wie er leise mit sich selbst sprach. Fred murmelte leise vor sich hin.
Er fragte sich, was es mit der "10" auf sich hatte und warum das Trikot blutverschmiert war?
Gerade, als er die Tür erreicht hatte, hörte er Stimmen. Angestrengt stand er im Türrahmen
der Kabine und versuchte herauszufinden, woher die Stimmen kamen. Sie waren zu weit
weg um der Unterhaltung folgen zu können.

Die Stimmen wurden lauter, was eindeutig daran lag, dass aus der anfänglichen Unterhaltung
ein lautes Streitgespräch entstanden war. Worfetzen wie ".....das werden wir ja dann sehen" worauf die Antwort:
"....soweit werden wir es nicht kommen lassen. Vorher wird etwas passieren, womit keiner rechnet, das werdet
IHR dann noch sehen!" folgte, waren zu verstehen.

Eine Tür flog auf und Fred konnte erkennen, wie jemand die Treppe des Spielertunnels rauf rannte. Er stand
jedoch zu weit weg, um erkennen zu können, wer dieser Jemand war. Als er ein lautes Scheppern aus dem Raum
vernahm, aus dem zuvor der Streit zu hören war, ging er vorsichtig, rückwärts wieder in die Kabine zurück.


Er wusste nicht, wie er sich verhalten sollte. Bisher hatte er nur den Mannschaftsarzt, den Sportdirektor und
den Trainer persönlich kennen gelernt. Sollte er, obwohl er nicht wusste wer sich dort aufhielt, zu dem Raum
gehen und sich bemerkbar machen? Dabei fiel ihm auf, dass er immer noch das blutverschmierte Trikot fest hielt.


Immer noch in seinen Gedanken vertieft, hörte er plötzlich Schritte, die sich eindeutig in seine Richtung bewegten.....
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ewert

Profi

Registrierungsdatum: 7. Juni 2016

Beiträge: 1 761

3

Montag, 29. Oktober 2018, 19:15

(heute sehe ich erst das hier jemand in not ist.........)
was sollte er machen?
das handy lag im auto er kannte fast niemanden in dieser stadt und war in einer dämlichen situation. er war kein kämpfer, schon in seiner jugend hatte er gelernt besser zu ducken oder weg zu laufen als eine grosse klappe zu riskieren.
er kroch in sein spind und versuchte die tür von innen zu schliessen.
das gelang ihm mehr als schlecht. er wurde hektisch und nervös, sein kopf schmerzte leicht, die halsschlagadern hämmerten.
die tür ging auf. "hoffentlich kam er nicht in seine ecke, hoffentlich wurde er nicht entdeckt und musste erklären warum er wie ein kleinkind im spind hockte.
eine person schien die kabinentür geöffnet zu haben und blieb wohl im türrahmen stehen? schritte waren nicht zu hören. dann hörte er leises getuschel".
eine person kam in den raum ...in seine richtung.
"verdammte scheisse" dachte er in seinem versteck. " weiter links!", dirigierte nun eine männerstimme die person im raum. rheinischer slang, dachte er. allerdings war es nur eine vorsichtige schätzung, denn ihm war schon klar dass er die bergheimer bauern mit ihrem singsang kaum vom sauerländer oder bergischem jung unterscheiden konnte. ein bayer war es jedenfalls nicht.
die person im raum drehte etwas ab und ging in die ecke wo das trikot gelegen hatte.
" he is nix...." meldete er nun dem zweiten mann, der jetzt wohl im türrahmen stand. " jiddet doch nit, luur noch ens". leichtes stühle rücken, unterdrückter fluch und die schritte gingen wieder richtung tür. "so ne driss, wat solle mer denn nu mache.....?
die frage blieb unbeantwortet. die kabinentür wurde zugezogen. eilig entfernten sich die schritte.
er kroch aus dem spind. er fühlte sich elend, richtig elend und ein bisschen hilflos. was sollte er denn jetzt machen. nicht das aus dem blutigen sporttrikot, das er gedankenlos an sich genommen hatte, ein richtiges problem wurde.
er resümierte......das trikot lag in der ecke, als sei es versteckt worden. und zwei typen suchten danach und waren übellaunig, weil sie es nicht gefunden hatten. was war passiert?
ein verbrechen? oder wurde hier ein mitspieler gmobbt, der regelmässig prügel kriegte? ein verbrechen musste es zwingend nicht sein. ob seine dna jetzt an dem trikot war...wenn es doch ein verbrechen war.
er versuchte sich zu konzentrieren.
er konnte das trikot wieder in die ecke stopfen...allerdings waren seine spuren drauf. wenn es ein verbrechen war und die polizei das trikot finden würde......
wenn er sich mit dem leibchen aus dem staube machen würde, wäre der trainer sicher richtig sauer, unentschuldigtes fehlen am ersten tag....und wenn die typen draussen standen und ihn abpassten. wenn die das trikot bei ihm würden. oder die polizei. wer weiss was da draussen los war. war doch komisch, dass bei angesetzem training keiner in die kabine kam.
scheisse, anna hätte sicher ein idee. die wusste was zu tun ist.
er entschloss sich jetzt das trikot einfach anzuziehen, also seine sportklmotten aus, die blutige 10 an, die sportklamotten wieder an...... und dann rausgehen und hoffen das er unbehelligt in sein hotel kam. dort konnte er das ding einfach in den müllschlucker werfen.
er schnappte sich seine tasche mit den alltagkleidung und ging den gang entlang. auf dem weg zum trainingsplatz dchien niemand zu sein. er spürte den drang zu laufen...rennen fliehen....
was für ein scheiss, was für ein scheissverein bei dem er jetzt geparkt wurde. er versuchte cool zu wirken. sollte er jetzt direkt zum parklatz oder erst zum trainingsplatz. er entschied sich erst zum trainingsplatz zu gehen. wenn er morgen gefragt würde...konnte er zumindest sagen, er sei auch auf dem trainingsplatz gewesen. als er da ankam waren einige spieler der kölner mit dem konditionstrainer zugange. er stellte seine tasche hinters tor und ging zur gruppe. sie übten grad ein paar balettschrittchen. "typisch", dachte er, kein wunder dass der karnevalsverein nicht nach vorne kommt.
er tat mit. langsam fiel der stress ein wenig ab und er strampelte mit der blutigen 10 unter seiner trainingsjacke energisch mit.
"das hast du gut gelöst", dachte er.
das blutige trikot wollte er gar nicht mehr vernichten....jetzt wollte er es als andenken an seinen ersten trainingstag in köln behalten.
auf dem weg zum weltruhm gab es eben nach dunkle tage. hoffentlich wurde seine zeit in köln nicht zu einer dunklen episode.
" im Grunde müßte der 1.FC Köln komplett saniert werden! " ........ 24.10.2010. Sueddeutsche Zeitung
" chaosclub ade " ..............................................................21.01.2016 Sueddeutsche Zeitung
" der absturz des 1.fc köln"...................................................15.04.2018 Sueddeutsche Zeitung
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  • Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von »ewert« (29. Oktober 2018, 19:22)

Sanne

Profi

Registrierungsdatum: 16. Juni 2015

Beiträge: 1 005

4

Donnerstag, 8. November 2018, 23:39

(Super @ewert, da muß ich weiter machen. ;) )


"Juuuuungs Feierabend für heute......" mit dem Ruf des Trainers wurde er aus seinen Gedanken gerissen.
Alle bewegten sich gemäßigt auf den Trainer zu, was ihn veranlasste, ihnen zu folgen. Komisch, er hatte den Eindruck, als ob die Spieler, von denen er ja noch keinen wirklich kennen gelernt hatte, wenig Enthusiasmus ausstrahlten und eindeutig mit einer Art "Widerwillen" auf den Trainer zu steuerten.
"Also Jungs...." hörte er den Trainer fortfahren "damit das mal klar ist, am Samstag will ich euren absoluten Willen, das Spiel zu gewinnen, erkennen. Und um das noch mal deutlich klar zu stellen: die Spiele in der 2. Liga sind keine Selbstläufer und oftmals schwer zu gewinnen. Das habe ich übrigens schon mehrfach erwähnt. WENN ihr dann den Arsch nicht hoch kriegt, dann wird mir das wieder als "fehlende Spielidee oder falsches System" ausgelegt. Und Jungs, ihr wisst genau, dass das nicht stimmt. Denkt dran, JEDER ist ersetzbar"

Mit einem verschmitzten oder gar größenwahnsinnigem Lächeln fügt er hinzu: "Ich habe heute übrigens mit dem Manager von Kiel telefoniert, da gibt es tatsächlich noch ein paar unentdeckte Talente!"

Danach drehte er sich um und fuhr, in Richtung Fred blickend, fort: "So, dann will ich euch noch kurz unseren Neuzugang vorstellen. Frèdèric kommt aus München und ich sage euch bereits jetzt, er kann, wie mir gesagt wurde JEDE Position spielen! Also Jungs, zeigt mir mehr im Training. Außer Drexler und Czichos, die derzeit und auch in letzter Zeit immer konstante Leistungen, sowohl im Training, als auch in den Spielen, gezeigt haben, muss sich derzeit jeder an die eigene Nase fassen!" Der Tainer drehte sich um und ging ohne weitere Worte in Richtung Kabinen.

Fred merkte, wie alle Blicke auf ihm hafteten. In dem Moment musste er wieder an das Trikot denken, dass er unter seinen Trainingsklamotten trug. Ob es irgendjemandem aufgefallen war? Er hatte allerdings nur leicht geschwitzt, da er ein derart lahmes Training locker wegstecken konnte. Er schaute kurz an sich herunter und stellte fest, dass Gott sein dank nichts durchschien.

Als er wieder aufschaute, kamen ihm die Spieler einzeln entgegen. Allen voran Jonas Hector, den er schon wahnsinnig cool fand; ein Nationalspieler aus der 2. Liga, das imponierte ihm. Jeder begrüßte ihn eigentlich recht herzlich. Als ihm zum Schluss Timo Horn die Hand zur Begrüßung reichte, sah er aus dem Augenwinkel zwei zwielichtige Gestalten am Spielfeldrand stehen. Da es kein öffentliches Training war, fielen sie ihm direkt auf. Er fing gerade an, darüber nachzudenken ob es vielleicht die zwei Typen waren, denen er kurz vorher aus seinem Versteck in der Kabine zugehört hatte, als plötzlich...
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Registrierungsdatum: 7. Juni 2016

Beiträge: 999

5

Freitag, 9. November 2018, 22:51

... das Licht ausging. [Sanne, Ewert, Wahnsinn, ich hätte nicht gedacht, daß überhaupt jemand antworten und die Story fortspinnen würde! Herrlich skurril, ich hab´s verschlungen... ]

Als Fred wieder zu sich kam, lag er auf einer Massagebank und blickte in die Halogenleuchte über sich. "Was ist passiert?", murmelte er, noch immer reichlich benommen. "Also..." ertönte irgendwo weit in der Ferne, wie es schien, eine unaufgeregte männliche Stimme, "du bist jetzt nach dem Michi Rensing hier der zweite, der sich im Training von einem Ball am Kopp die Lichter auspusten läßt. Ihr lernt auf Euren Taktikschulen alles mögliche, aber rechtzeitig die Rübe einzuziehen, das lernt Ihr wohl nicht...?"

"Wer... wer hat den Ball geschossen...?", stammelte Fred vor sich hin. "Was weiß denn ich, aus der Mannschaft will es wieder mal keiner gewesen sein. Immerhin, du lebst noch und weißt sogar noch ungefähr, wer du bist. Aber dein Jersey kannst du wegschmeissen, das ist ziemlich eingesaut", grummelte die tiefe Männerstimme, die nun näher bei ihm schien.

Fred rappelte sich hoch, dankte dem Betreuer und verließ die Katakomben mit einem Verband am Kopf, einem Schmerzmittel in der Hand und jeder Menge guter Empfehlungen, wie er die Nacht von weiteren Komplikationen möglichst unbeeinträchtigt überstehen könne.

In seinem kleinen Hotel-Appartment angekommen, legte Fred sich mit einem lauten Stöhnen auf die Chaiselongue. Was für ein Tag! Er hatte Jonas Hector gesprochen, den Mann, der erstmals in der Fußballgeschichte in einem Wettbewerbsspiel Italien niedergerungen hatte! Er hatte ein blutverschmiertes Trikot mit der Rückennummer 10 gefunden und zwei verdächtige Gestalten dabei beobachtet, wie sie anscheinend mit Hochdruck nach dem verdächtigen Kleidungsstück fahndeten. Er hatte einen Kopfschuß im Training abbekommen, der ihn ausgeknockt hatte, und er hatte sich verfolgt gefühlt auf seinem Weg ins Hotel.

Fred wollte Anna anrufen, doch Anna war nicht zu erreichen. Wie schon die ganzen letzten Tage nicht. Früher hatte so etwas bedeutet, daß Anna bald unangekündigt vor der Tür stehen würde und sich selbst als Überraschung präsentierte. Doch diesmal machte er sich Sorgen. Ging es ihr in Brüssel gut? Ging es ihr vielleicht gar... zu gut?

Daran mochte er lieber gar nicht denken. "Jeder ist ersetzbar." Diesen Satz hatte der Trainer heute losgelassen, und doch kam es Fred vor, als habe er ihn irgendwo zuvor schonmal gehört. Nicht einfach nebenbei, dafür war die Bedeutung dieses Satzes in seinem armen Hirn viel zu.... bedrohlich. Fred fröstelte. "Jeder ist ersetzbar", ging es ihm immer im Kopf herum.

Was, wenn dieser Ball an seinen Kopf kein Zufall gewesen war? Was, wenn er tatsächlich bis zu seiner Wohnung verfolgt wurde? Und dieses ekelige blutverschmierte Trikot, das er immer noch trug. Fred fühlte sich allein. Zum ersten Mal in seinem behüteten Erdendasein fühlte er sich mutterseelenallein.

Er mußte etwas tun, das spürte er genau, er mußte jetzt ganz einfach selbst das Spiel machen. Gar nicht mal so einfach für einen, der das nie gelernt hatte.


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Als das Telefon klingelte, überlegte "Sir" Peter Fengler, ein untersetzter Herr in den letzten Zügen seiner allerbesten Jahre, ob es sich lohnen würde den Hörer abzunehmen und die interessanten Internet-Seiten mit anatomischem Lehrmaterial dafür zu schließen. Ein Kunde? Das konnte doch kein Kunde sein? Und wenn doch? Wenn er nicht ranging, würde er es nie erfahren.

Sir Fengler - das "Sir" wurde ihm noch zu Zeiten seiner Polizeiausbildung als Spitzname gegeben, weil in den Probedurchläufen auf der Polizeischule niemand so sorgfältig und aristokratisch Handschellen anzulegen wußte wie er - Sir Fengler also ließ das MILF-Paradies mit einem Seufzer hinter sich und nahm den Anruf an.

"Privates Ermittlungsbüro PeFeDe, Little Sister´s watsching you!"
"Äh, hallo, bin ich mit dem Detektivbüro Peter Fengler verbunden?"
"Der nämliche, wir übernehmen jeden Fall, es sei denn, die Drei ??? haben ihn schon vorher erfolgreich gelöst. Kleiner Scherz. Little Sister´s watsching you..."
"Was... was soll das mit der kleinen Schwester...?"
"Ach, das ist unser Agenturmotto. Heute hat ja jede Fahrschule irgendeinen blöden Spruch, den sie sich überall draufkleistern, und wir haben eben diesen. Ich weiß, ein bißchen dämlich, aber wir müssen das sagen."
"Sie müssen das sagen? Herr Fengler, soweit ich weiß, arbeiten Sie allein in Ihrem Büro..."
"Wer... wer spricht denn da?"
"Oh, Entschuldigung, Kroiß hier, Frédéric Kroiß. Ich bin..."
"...Sack und Asche, der Bub vom alten Kroiß, dem Weißwurschtrechtsverdreher. Junge, als ich dich zuletzt gesehen habe, hast du auf meinen Knien gesessen und mir die Buxe vollgepinkelt..."
"Ja, das... das tut mir auch sehr leid. Aber, Herr Fengler, ich rufe Sie nicht an, um über die alten Zeiten zu plaudern. Ich möchte Sie buchen..."
"Konsultieren, mein Junge. Konsultieren möchtest Du mich sicherlich. Buchen kannst du eine schicke Mutti für zwei Stunden, wenn du dich in deinem Fußballinternat allein fühlst, mich kannst du gegebenenfalls konsultieren. Hat dein Vater dir gesagt, du sollst dich an mich wenden...?"
"Nein, äh... mein Vater weiß nicht, daß ich Sie hier gerade... konsultiere. Und ich möchte gern, daß das so bleibt."
"Verstehe. Was hast du angestellt, du Rotzlöffel? Haste jemanden mit deinem Döner verprügelt oder biste mit deinem Porsche in den Straßenbahnschienen hängengeblieben...?"
"Nein, Herr Fengler, es ist etwas ernsteres als das."
"Noch ernster? Na, dann schieß mal los..."
"Das... das ist nicht so einfach zu erklären. Am besten wäre es, Sie kämen nach Köln."
"Nach Köln? Wieso nach Köln?"
"Ich... äh, ich bin gerade in Köln. Ich bin hierher gezogen."
"Aber doch hoffentlich nicht zum Fußballspielen?"
"Nein, äh, ja... das erzähle ich Ihnen alles, wenn Sie hier sind. Werden Sie kommen und das... den... das Konsultat übernehmen?"
"Hm, du bist der Sohn vom alten Kroiß und außerdem, wie´s scheint, allein in Köln. Ich denke, ich nehme die Wahl an."
"Wunderbar, danke, Herr Fengler. Soll ich Ihnen meine Anschrift mailen oder... äh... oder ziehen Sie es vor, daß wir uns in neutraler Umgebung treffen sollten?"
"Ja klar, Burschi, wir setzen uns im Stadtpark auf eine Bank und halten Händchen. Was die Leute immer für Vorstellungen vom Beruf eines Privatermittlers haben! Nein, du brauchst mir deine Daten nicht zu geben, ich werde dich finden. Du hast deine Nummer nicht unterdrückt, das ist alles, was ich brauche. Ach, und wundere dich nicht, wenn ich mich eventuell noch nicht gleich morgen bei dir vorstellig mache. Ich habe die Angewohnheit, erstmal ein bißchen im Verborgenen rumzuwühlen, das Umfeld meiner Klienten zu checken und erst in Erscheinung zu treten, wenn ich den Zeitpunkt dafür gekommen sehe."
"Ja, aber, Herr Fengler..."
"Nenn´ mich einfach Sir!"
"Ja, richtig, also Sir, Sie wissen doch noch gar nicht, worum es..."
"Junge, paß auf, sorge du dafür, daß du deinen Mitspielern präzise Pässe in die Schlappen spielst, und laß mich meine Arbeit machen, einverstanden?"
"Äh, ja, gut, Herr... Sir."
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  • Dieser Beitrag wurde bereits 5 mal editiert, zuletzt von »Graf Wetter vom Strahl« (9. November 2018, 23:34)

Sanne

Profi

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Beiträge: 1 005

6

Dienstag, 4. Dezember 2018, 21:57

Beim Auflegen des Hörers konnte er sich ein verschmitztes Lächeln nicht unterdrücken. Es war immer wieder erstaunlich, wie unselbstständig diese verwöhnten "Söhnchen" der gehobenen Gesellschaft doch waren. Obwohl, Fred hatte er ja das letzte mal als Kind gesehen. Wie er sich entwickelt hatte, konnte er ja nicht ahnen, mit Vorurteilen war man ja immer schnell zur Stelle. Er ermahnte sich unverzüglich zu etwas mehr Objektivität und Professionalität, den sein Beruf ja schließlich ausmachte.

Der Auftrag kam ihm gerade recht, die Scheidung von seiner jungen Ex-Frau hatte ihn finanziell etwas arg gebeutelt und er spürte wieder die Wut in sich aufkommen, als er an sie denken musste. Als vor drei Jahren seine Aufträge deutlich zurück gingen, hatte sie sich schnell in die Arme eines anderen, deutlich jüngeren Kerls, geflüchtet. Leider war sie bestens über seine Schwarzgeldkonten in der Schweiz informiert, so das er keine andere Wahl hatte, sie großzügig abzufinden. Danach war sein "Erspartes" schnell aufgebraucht, so dass er im Moment über jeden noch so kleinen Auftrag froh sein konnte. Zu allem Übel kam noch der Verlust seines Führerscheins hinzu, den er aufgrund einer "Sufffahrt" vor drei Monaten abgeben musste.

"So Peter" hörte er sich sagen; und er sprach mittlerweile oft mit sich selbst, "Flug nach Köln buchen, im Flugzeug kannst du dich dann immer noch mit der Stadt Köln beschäftigen". Er war nur ein einziges mal in Köln, er konnte sich noch sehr gut daran erinnern. Das war noch zu der Zeit, als Bonn die Regierungshauptstadt war. Damals hatte er noch oft für den alten Kroiß gearbeitet. Der "Fall" äußerst brisant. Nachdem Franz Josef Strauß 1980 bei der Wahl zum Bundeskanzler gescheitert war, hatte der alte Kroiß ihn nach Bonn geschickt, um irgend etwas "Schmutziges" gegen den damaligen Erzrivalen von Strauß, Helmut Kohl, raus zu finden, was ihn hätte zu Fall bringen können. Tja, wie die Geschichte ausging, ist ja hinlänglich bekannt. Kohl ist das geworden, was Strauß immer sein wollte. Jedenfalls blieb dem guten alten Franz immerhin, durch seinen Tod im Jahre 1988, die Demütigung der viel zu langen Regierungszeit von Kohl erspart.

"So, schluss mit den alten Geschichten!" hörte er sich wieder zu sich selber sagen. Meine Güte, ging ihm durch den Kopf, du musst endlich aufhören, mit dir selber zu reden.

Er buchte sich einen Flug von München nach Köln, der schon in 5 Stunden, um 19:00 Uhr los ging. Also packte er kurzerhand ein paar Sachen zusammen, bestellt ein Taxi und verließ um 16:00 Uhr das Haus. Als er im Taxi saß, klappte er sein Laptop auf, um in Erfahrung zu bringen wie viele Fußballvereine es in Köln gab, die in den einzelnen Ligen spielten. Er hatte vergessen, Fred danach zu fragen, ob er für den großen 1. FC Köln spielt oder für einen Verein in der 2. oder 3. Liga. Mit großer Verwunderung stellte er fest, dass der 1. FC Köln mittlerweile in der 2. spielte. Kruzifix, dass scheint ja tatsächlich völlig an ihm vorbeigegangen zu sein. Aber seit Overath dort nicht mehr Präsident war, den er persönlich sehr gut kannte und der gerne zu den zahlreichen Schickimicki Veranstaltungen nach München kam, interessierte er sich nicht mehr dafür. Armer Fred, dachte er noch, als der Taxifahrer voll in die Eisen ging. Da er sich nicht angeschnallt hatte, wurde sein Kopf etwas unsanft gegen das Seitenfenster geschleudert. Nachdem der Schreck nachgelassen hatte, bemerkte er, dass sein Kopf etwas blutete. Der Taxifahrer fuhr erschrocken herum und sprach in gebrochenem Deutsch nur davon "in Krankenhaus fahren......". Er forderte den Taxifahrer jedoch auf, ihm aus dem Verbandskasten ein Pflaster zu geben und ihn unverzüglich zum Flughafen zu fahren. Das ging ja gut los......

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Während dessen saß Fred in seinem Appartement und versuchte Anna zu erreichen. Auch auf seine WhatsApp hatte sie bisher nicht reagiert. Er machte sich allmählich wirklich sorgen. Das sah Anna gar nicht ähnlich. Für ihn wäre es jetzt wirklich wichtig, mit Anna über alles zu reden, war es vielleicht ein Fehler, den alten Fengler zu kontaktieren. Über die Bezahlung musst er sich jedenfalls keine Sorgen machen, sein Konto war mehr als gut gefüllt. Seine Eltern sorgten ja immer dafür, dass er auf nichts verzichten musste. Zu seinem Vater hatte er nicht so ein gutes Verhältnis. Er konnte ihm nicht verzeihen, dass er sein Jurastudium für die Fußballkarriere aufgegeben hatte und nicht in seine Fußstapfen als "Staranwalt" treten wollte. Fred hatte es schon ziemlich früh angewidert, wie sein Vater, entgegen seinem Verständnis für Gerechtigkeit, seine Tätigkeit ausübte. Nach der Übernahme des Fall "Hoeneß" durch seinen Vater, hatte er sein Studium endgültig geschmissen und sich für den Fußball entschieden. Auch dem Wunsch seines Vaters, wenigstens bei den Bayern zu spielen, hatte er abgelehnt und war dadurch nur noch mehr in Ungnade gefallen. Gott sei Dank hatte er nicht nur das gute Aussehen seiner Mutter geerbt. Er überlegte kurz, ob er Fengler am Telefon gesagt hatte, dass er keinesfalls wollte, dass sein Vater über die "Angelegenheit" informiert würde? Mist, das hätte ihm gerade noch gefehlt, dass sein alter Herr in Köln auftauchen würde.

Als er gerade auf dem Weg ins Bad war, um sich endlich des blutigen Trikots zu entledigen und sich zu duschen, klingelte sein Telefon.........
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